Bayern und sein Kreuz – Gedanken zum aktuellen politischen Geschehen

Ich habe zugegebenermaßen gezögert, ob ich meine Gedanken so öffentlich zu machen zu diesem Thema, aber ich halte es für wirklich wichtig. Ich hoffe, dass einige in der „Szene“ auch ihre Gedanken äußern oder sich zumindest welche dazu machen.

Zur Historie und dem Hintergrund:

Am 24.4.2018 beschloss das bayrische Kabinett, das ab 1.6.2018 in jeder Behörde ein Kreuz im Eingangsbereich zu hängen habe. Der Wortlaut der Entscheidung (Link) ist folgendermaßen:

„Ministerrat beschließt das Aufhängen von Kreuzen in Dienstgebäuden des Freistaats: Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen. Der Ministerrat hat am 24. 4. eine entsprechende Änderung der allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaats Bayern beschlossen. Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung. Die Verpflichtung gilt für alle Behörden des Freistaats Bayern ab dem 1. Juni 2018. Gemeinden, Landkreisen und Bezirken wird empfohlen, entsprechend zu verfahren.“

Dabei sollte man einen 23 Jahre alten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts nicht vergessen (Link). Damals wurde die bayrische Vorschrift, für das Anbringen bzw. Aufhängen von Kruzifixen, in der Volksschulordnung für verfassungswidrig erklärt. In Bayern löste das eine Welle der Empörung, vor allem in der CSU und deren Anhänger, aus, obwohl lediglich damit ein Recht in Bayern hergestellt wurde, was in der restlichen Republik schon lange galt.

Die Äußerungen von CSU-Generalsekretär Markus Blume (Link), bezüglich der entstandenen Empörung und Kritik der Entscheidung, ist zusätzliches Öl-ins-Feuer-gießen:„Bei den Kritikern haben wir es mit einer unheiligen Allianz von Religionsfeinden und Selbstverleugnern zu tun“.  Harte Äußerungen zu den Kritikern, die auch aus den christlichen Kirchen und christlichen Verbänden kommen. Die (bayrische) Gesellschaft wirkt bezüglich dieser politischen Aktion der bayrischen Staatsregierung gespalten.

 

Und nun zu meinen Gedanken und meinem persönlichen Standpunkt:

  1. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, und bestimmt auch nicht zum letzten Mal, erleben wir was passiert, wenn religiöse/spirituelle Symbole als Instrument der Politik benutzt wird. Die christlichen Kirchen in Deutschland/Bayern (man mag von ihnen halten was sie mag) wehren sich zu Recht gegen die Instrumentalisierung ihres Glaubenssymbol. Auch wenn das C im Kürzel CSU für Christlich steht, die Politik, die diese Partei macht,  ist meiner Meinung nach selten christlich geprägt (was ich jetzt hier nicht weiter ausführen möchte, da es den Rahmen sprengt).
  2. Ich bin gegen einen politischen Missbrauch von Symbolen. Vielen Szenen mussten oder müssen sich immer wieder offen und bewusst abgrenzen, da ihre Symbole gerne für politische Zwecke missbraucht werden. Wer sich mit Runen (bzw. mit der nordischen Mythologie) beschäftigt, weiß wovon ich gerade schreibe. Plötzlich sieht man sich in einer politischen Schublade, in der man nicht reingehört, unabhängig welcher „Szene“ man angehört. Bestes Beispiel war für mich das Wave-Gothic-Treffen in Leipzig vor einigen Jahren, auf der die Veranstalter, auf den Obsorgkarten die schwarze Sonne abbildete. Viele aus der Szene drohten damals mit dem Boykott der Veranstaltung. Bis heute sieht man das Symbol der schwarzen Sonne gerne auf Mittelalter-Märkten, weil es offiziell nicht als verbotenes Symbol gilt und anscheinend es keine Aufklärung gibt (viele wissen es schlichtweg einfach nicht, d.h. das sie nicht zwingend politisch rechts sind).
  3. Ich muss leider sehr schmunzeln, wenn Menschen darauf pochen, das wir eben ein christlich geprägtes Abendland sind. Es herrschen, angeblich, hier christliche Werte und Bräuche. In Hinblick auf die vergangene Debatte um den Traditionshasen und dem bevorstehenden 1. Mai mit Maibaum-Aufstellen, fragt man sich schon, ob einige Leute unseren viel älteren kulturellen Hintergrund verdrängen, verleugnen oder für politische Zwecke missbrauchen oder schlichtweg nicht kennen. Menschen, die dieses alte kulturelle Erbe annehmen, erforschen und leben, werden gern als (gefährliche) esoterische Spinner hingestellt. Unsere Kultur wurde durch vieles geprägt (ja, auch durch das Christentum). Wir sollten dabei nichts ausschließen, oder einiges als was Besseres darstellen.
  4. Toleranz, Empathie und Frieden sind die vorherrschenden Punkte, die wir niemals aus den Augen und unseren Herzen lassen sollten. Ja, es ist nicht immer leicht. Ja, es wird nie einfach sein. Ja, es schein als Kampf gegen Windmühlen.Und ja….man kann und darf auch mal einen echt schlechten Tag haben. Und JA, es liegt an jedem(!!!) einzelnen unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen…..und das jeden Tag.

In diesem Sinne…

 

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